Das Entern der Shonan Maru No. 2 war ein Riesenerfolg
Kommentar von Captain Paul Watson
Ein bewaffnetes japanisches Mitglied der Küstenwache filmt die Aktivisten, während sie in der Nachrichtenzentrale des Sicherungsschiffes der japanischen Walfangflotte, der Shonan Maru No. 2, festgehalten werden. Allem Anschein nach hat sich der mutige Einsatz von Geoffrey Owen Tuxworth, Simon Peterffy und Glen Pendlebury von „Australia’s Forest Rescue“ als überaus erfolgreich erwiesen. Ihre ursprüngliche Zielsetzung war es, das japanische Sicherungsschiff Shonan Maru No. 2 von der Verfolgung der Steve Irwin abzubringen.
Das hat funktioniert.
Um die Männer von der Shonan Maru No. 2 an das australische Zollschiff Ocean Protector zu übergeben, musste das japanische Schiff die Verfolgung einstellen und sich zurückfallen lassen. Es rief das Harpunenschiff Yushin Maru No. 2 herbei, welches die Shonan Maru No.2 als Verfolgerschiff ersetzen sollte, wodurch es von der Waljagd abgezogen war. Das an sich hat schon das Leben vieler Wale gerettet.
Dank des Einsatzes der Enterer war die Shonan Maru No. 2 nicht in der Lage, zur Steve Irwin aufzuschließen. Es ist um einiges einfacher, sich mit der weniger professionellen Crew der Yushin Maru No. 2 auseinanderzusetzen. Die schwarzgekleideten und bewaffneten Ninja-Typen auf der Shonan Maru No. 2 verfügen zusätzlich zu ihren Hieb- und Stichwaffen und Gewehren auch noch über Laser, Blendgranaten, halbautomatische Waffen und Schallkanonen.
Die Forest Rescue-Männer haben es tatsächlich geschafft, Fotografien von den Schaltplänen der Shonan Maru No. 2 sowie deren Bordsicherheitsausrüstung zu machen. Verdammt gute Spionageleistung, Jungs! Die Frage, die sich nun stellt, ist, warum es einem japanischen Schiff erlaubt ist, halbautomatische Waffen und Blendgranaten in die australische Anschlusszone einzuführen, welche sich unter der ausschließlichen Kontrolle der australischen Zoll- und Einwanderungsbehörde befindet, ohne diese Waffen zu deklarieren?
Vom Captain und der Besatzung der Steve Irwin an die drei Forest-Rescue-Männer: "Gut gemacht - Euer Einsatz war ein voller Erfolg."
Die australische "Attorney General"* (im Folgenden "Justizministerin/Generalstaatsanwältin", Anm. d. Ü.) Nicola Roxon behauptet nun, dass die Bergung eine Million Dollar gekostet habe. Wir sind gespannt auf die Aufschlüsselung dieser Ausgabe, besonders unter Berücksichtigung dessen, dass sie es verabsäumt hat, 190.500 Dollar ihrer eigenen Staatsausgaben nachzuweisen. Ich bin mir nicht sicher, inwieweit wir demnach ihrer Buchführungskompetenz vertrauen können. Sie liegt völlig daneben.
Im Grunde reden wir hier nur von Betriebskosten für das Schiff in Form von Treibstoff und Besatzungskosten für eine Woche. Wie auch immer, das Schiff befand sich bereits zwecks einer Anti-Wilderer-Patrouille auf See, um Gebiete zu kontrollieren, in denen man seit geraumer Zeit keine Wilderer mehr gestellt hatte. Plötzlich wird es nach Osten umdirigiert und was findet es dort? Das Muskelschiff einer Flotte von Wilderern, welches drei australische Bürger an Bord festhält. Natürlich haben sie rein gar nichts bezüglich der eigentlichen Wilderei unternommen, aber sie haben tatsächlich unsere drei australischen Helden geborgen und sie zurück nach Hause, nach Westaustralien, gebracht. Dies war ein rund sechs Tage andauerndes Unterfangen. Während dieser Zeit können sie nicht Treibstoff im Wert von einer Million Dollar verbrannt haben, wie die Justizministerin/Generalstaatsanwältin behauptet. Tatsächlich können sie nur maximal zehn Tonnen Treibstoff am Tag verbrannt haben; das bedeutet Treibstoff im Wert von 10.000 Dollar pro Tag. Diese Summe fällt sogar niedriger aus, wenn man bedenkt, dass für den Treibstoff keine Steuern gezahlt werden müssen. Wir haben es hier also mit Treibstoffkosten in Höhe von höchstens 60.000 Dollar zu tun. Die Mannschaft muss sowieso entlohnt werden. Das ist von einer Million Dollar weit entfernt.
Die Nachrichtenzentrale der Shonan Maru No. 2, des Sicherungsschiffs der japanischen Walfangflotte. Seit 1997 hat Australien 14 Millionen Dollar für die Rettung ausländischer Seefahrer ausgegeben. Bislang wurde keiner von ihnen aufgefordert, der Regierung Rettungskosten zu erstatten.
Wenn die Ocean Protector getan hätte, was die Regierung mit ihrer Hilfe zu tun versprach – nämlich die illegalen Walfangaktivitäten im Südpolarmeer zu überwachen – hätte sie keinen so weiten Weg gehabt, um die drei Männer zu bergen.
Die Justizministerin/Generalstaatsanwältin hat angegeben, dass die Ocean Protector auf dem Weg zur Heard-Insel gewesen sei, um dort auf Anti-Wilderer-Patrouille zu gehen. Sie habe von dort abgezogen werden müssen, um die drei Männer zu bergen. Die Shonan Maru No. 2 jedoch ist Teil einer illegalen Walfang-Flotte, womit der Einsatz der Ocean Protector genau ihren Pflichten entsprach.
2002 hat die australische Regierung einen Vertrag über 553 Millionen Dollar unterzeichnet, um eine neue Flotte von zwölf Marine-Patrouillen-Booten bauen zu lassen. Die Frage ist, wo diese sind und was sie tun, außer unter Armut leidende Umwelt- und politische Flüchtliche daran zu hindern, die australischen Küsten zu erreichen?
2006 wurden die Uruguayer Alfonso Dacruz Amoedo, 44, und Enrique Dominguez, 41, vom Bezirksgericht in Sydney zu Strafen von 65.000 beziehungsweise 53.000 Dollar verurteilt, weil sie Schwarzen Seehecht in der Nähe der MacQuarie-Insel gewildert hatten. Insgesamt wurde eine Strafe von 118.000 Dollar über sie verhängt, die sie nicht zahlten, und es wurde ihnen gestattet, ihr Schiff zu behalten. Jedoch hat dieses vergebliche Unterfangen die australische Regierung über sieben Millionen Dollar gekostet.
2003 wurde das uruguayische Schiff Viarsa I über den Indischen Ozean und über den halben Atlantik hinweg von den australischen Behörden gejagt, weil es beim Wildern in der Nähe der Heard-Insel erwischt worden war. Die Jagd und der Prozess kosteten über fünf Millionen Dollar. Trotz der 97 Tonnen Seehecht, die an Bord gefunden wurden, gelang es den Anwälten der Eigner der Viarsa I, im November 2005 von der Jury einen Freispruch zu erwirken. Nach zwei Gerichtsverfahren über zwei Jahre konnten die Seeleute in ihre Heimatländer zurückkehren.
Angesichts der maßlosen Kosten für die fruchtlose Jagd auf Wilderer hat Australien nicht viel an Ergebnissen vorzuweisen.
Im Fall der Shonan Maru No. 2 hat Australien drei seiner Staatsbürger freibekommen und damit der Labor-Regierung von Julia Gillard die mögliche Schande erspart.
Die Regierung hat die Kosten sorgfältig abgewägt und erkannt, dass das Setzen eines Präzedenzfall, in dem drei australische Bürger auf einem japanischen Walfangschiff 16,2 Meilen vor der Küste Westaustraliens festgehalten, als Häftlinge nach Japan verschleppt und dort vor Gericht gestellt werden, die moralische und juristische Impotenz der Regierung in Canberra vorführen würde. Das hätte die Fragestellung des illegalen japanischen Walfangs über Monate hinweg in den Medien präsent gehalten. Zudem hätten australische Bürger fortgesetzt weiter die Frage gestellt, was das bewaffnete Walfangschiff in den Gewässern zu suchen hat, aus denen der australische Bundesgerichtshof es verbannt hat.
Politisch hatte die Regierung keine andere Wahl, als die drei Männer zu bergen. Diese Entscheidung hätte die Regierung noch weniger gekostet, wenn sie darauf bestanden hätte, dass die Japaner die Männer zurück an Land bringen oder der Steve Irwin übergeben, die nur sieben Meilen von der Shonan Maru No. 2 entfernt war.
Letztendlich hat das Entern den Fokus der Aufmerksamkeit in den globalen Medien auf die illegalen japanischen Walfangaktivitäten gelenkt, die Shonan Maru No. 2 von der Verfolgung der Steve Irwin abgeschmettert und wertvolle Informationen über die Sicherheitsmaßnamen und den Übersichtsplan des Sicherungsschiffs der Walfangflotte eingebracht. Außerdem ist es zutiefst demütigend für die japanische Küstenwache, dass drei unbewaffnete Australier in der Lage waren, an Bord des Sicherungsschiffes zu gelangen, obwohl die japanische Regierung 28 Millionen Dollar ausgegeben hat, um genau dies zu verhindern. Dass die Männer ohne Anklage befreit werden konnten, ist dabei die Krönung.
Nach meinem Dafürhalten ist all dies als großartiger Erfolg für die Bewegung zur Beendigung illegaler Walfangaktivitäten im antarktischen Walschutzgebiet zu werten.
* "Attorney General": im australischen Recht ein Amt mit gemischten Aufgaben eines Justizministers und Generalstaatsanwalts (Anm. d. Ü.)
Übersichtsplan der Shonan Maru No. 2, des Sicherungsschiffs der japanischen Walfangflotte.
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