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Donnerstag, den 26. Januar 2012 um 23:02 Uhr

Das Verbrechen, ein Niederländer zu sein

Kommentar von Captain Paul Watson

Warum befindet sich Erwin Vermeulen seit 44 Tagen in Haft?

Die Antwort: Weil er Niederländer ist.

Seine Verhaftung erfolgte ursprünglich wegen einer angeblichen Rempelei - ohne jegliche Zeugen –, gemeldet von einem Mann mit einem persönlichen Interesse an der Ausschaltung der Sea Shepherd Cove Guardians. Es gab nicht den geringsten Beweis, lediglich die Aussage eines Angestellten bei einem delfinmordenden Unternehmen, und dafür ist Erwin Vermeulen seit 44 Tagen in Haft. Man hat ihm gesagt, dass man ihn freilassen würde, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass er sich bereit erklärt, ein Geständnis abzulegen.

Er hat die Wahl zwischen der Freiheit im Gegenzug für ein Geständnis oder einer fortgesetzten und verlängerten Einkerkerung dafür, dass er die Wahrheit sagt und auf seine Unschuld besteht. Diese Art von Gerechtigkeit würde man von einer mittelalterlichen Sternkammer erwarten, nicht von einer demokratischen und geachteten Nation wie Japan.

Der japanische Staatsanwalt der Präfektur Wakayama hat verzweifelten Bedarf an einem Geständnis oder einer Verurteilung, damit er die Millionen von Dollar rechtfertigen kann, die seit dem 1. September 2009 für die zusätzlichen Einsatzkräfte zur Überwachung der Cove Guardians ausgegeben wurden.

Als ich die Cove Guardians organisiert habe, wurden genaue und eindeutige Anweisungen erteilt. Unter keinen Umständen dürfen japanische Gesetze gebrochen werden und unter keinen Umständen kann irgendein Cove Guardian einen Delfinkiller physisch berühren. Die Präsenz der Cove Guardians kann nur im Rahmen der japanischen Gesetze aufrechterhalten werden. Dem Staatsanwalt liegt diesbezüglich sogar ein Schreiben von mir vor.

Um sicherzustellen, dass diese Regeln auch umgesetzt wurden, habe ich Scott West, einen ehemaligen Beamten der US-Umweltschutzbehörde (EPA), als Leiter des Cove Guardian-Projekts eingesetzt. Scott hat der Polizei in aller Deutlichkeit zu verstehen gegeben, dass die Cove Guardians jederzeit mit ihnen kooperieren und keinerlei japanische Gesetze brechen würden.

Die Polizei jedoch war darauf angewiesen, dass ein Verbrechen begangen wurde, um die Kosten zu rechtfertigen.

Es wurde ein Verbrechen begangen und das wurde auf Video festgehalten. Es handelt sich um den tätlichen Angriff auf zwei weibliche Cove Guardians durch einen japanischen Fischer. Die Polizei hat den Angreifer befragt und ihn lediglich verwarnt, so etwas nicht noch einmal zu tun.

Und nun wird Erwin auf Grund der Aussage einer einzigen Person und ohne jeglichen Beweis oder Zeugen seit seiner Festnahme am 16. Dezember 2011 in Haft gehalten.

Ihm wurde für die Zeit seiner Haft jedes Recht auf Besuch oder Kontakt zu irgendjemandem, außer seinem Anwalt, versagt und Post an oder von Verwandten und Freunden wurde ihm verweigert. Das einzige, was man ihm in der gesamten Zeit zu essen gegeben hat, ist weißer Reis.

Wenn der niederländische Außenminister Uri Rosenthal dann sagt, dies sei eine angemessene Behandlung und dass Erwin einen fairen Prozess erhalten wird, grenzt das schon an Wahn. So ist Politik.

Sea Shepherd-Schiffe fahren unter der niederländischen Flagge und Sea Shepherd-Schiffe hindern Japan an der Walschlachtung, das ist also Japans Vergeltungsschlag.

Warum verhaften sie von den Hunderten von Cove Guardians, die in Tajii mitgewirkt haben und die aus Kanada, den Vereinigten Staaten, Australien, Südafrika, Neuseeland und verschiedenen europäischen Nationen stammen, ausgerechnet einen niederländischen Staatsbürger?

Erwin hat kein Verbrechen begangen. Nehmen wir aber, um auf dieses Argument einzugehen, an, dass er diesen Mann wirklich angerempelt habe. Wenn so eine Rempelei vorgefallen wäre, was sie jedoch nicht tat, kannst du dir dann vorstellen, dass ein Mensch in den Niederlanden dafür 44 Tage inhaftiert wird und ihm zwei Jahre Gefängnis für einen „Rempler“ drohen?

Interessanterweise hat dieser Mann zu keinem Zeitpunkt behauptet, dass er geschlagen, geohrfeigt, getreten, geboxt wurde oder man ihn mit dem Ellbogen gerammt hätte. Er sagte, es war ein Stoß. 44 Tage für eine Rempelei sind in jedem Land extrem, aber ganz besonders in einem Land, wo sich die Menschen in gewohnter Alltagsroutine regelmäßig gegenseitig schubsen und rempeln, nur um in eine Bahn einzusteigen.

Er hat keine Verletzung erlitten, keine Beule, keinen Kratzer, ihm ist nicht mal die Frisur verrutscht. Hier liegt nur die Anschuldigung eines Mannes vor, der eingestellt wurde, um Delfine zu morden und der sich nun über diese Leute ärgert, die Delfine davor bewahren wollen, mit Messern, Speeren, Haken und Knüppeln brutal verletzt zu werden.

Der niederländische Außenminister hat nur die guten Handelsbeziehungen mit Japan im Visier und das hat für ihn Vorrang – nicht die gerechte Behandlung eines niederländischen Staatsbürgers, dem man aus politischem Kalkül auf der Basis fadenscheinigster Beweislage, tatsächlich sogar überhaupt keiner Beweise, in verleumderischer Weise etwas anhängen will.

Was will Japan mit dieser politischen Farce erreichen?

Die Staatsanwälte haben verkündet, dass Erwin für seinen „Rempler“ zwei Jahre Gefängnis drohen könnten.

Darüber hinaus haben sie mitgeteilt, dass Erwin weitere Anklagen drohen, wenn sein Visum während seines Gefängnisaufenthalts abläuft und er sich somit ohne gültiges Visum im Land aufhält.

Mittlerweile ist dies ins Absurd-Fantastische abgeglitten und trotzdem hat der niederländische Außenminister bisher mit keinem Piepser aufgemuckt und zu verstehen gegeben, dass hier, gelinde gesagt, etwas ungewöhnliche Dinge vor sich gehen.

Japan läuft Gefahr, sich auf internationaler Ebene lächerlich zu machen, wenn sie weiterhin mit dieser Posse ihrer Pseudogerichtsbarkeit gegen Erwin fortfahren. Und die Niederländer riskieren, dass sie ihre langgehegte Tradition der Achtung von Menschenrechten aufs Spiel setzen, wenn sie einen der ihren auf dem Altar internationaler Handelsbeziehungen opfern.

 

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