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Freitag, den 27. Januar 2012 um 21:57 Uhr

Das Verfahren gegen den niederländischen Cove Guardian Erwin Vermeulen beginnt

Die Strafverfolgung legt ihren Fall dar

Erwin with Otis: Otis was a rescue from a cruelty situation.Erwin mit Otis: Otis wurde aus Tierquälerei gerettet.Am Donnerstag, 26. Januar fand der Verfahrensbeginn gegen den niederländischen Cove Guardian Erwin Vermeulen statt, der für mehr als 40 Tage aufgrund einer falschen Anschuldigung wegen Körperverletzung festgehalten worden ist. Erwin hielt sich in Taiji auf, um das jährliche, von September bis März andauernde Delfinmassaker in der Stadt zu dokumentieren. Sein Anliegen war, das Bewusstsein der Weltöffentlichkeit auf dieses abscheuliche Gemetzel zu richten, als er fälschlicherweise bezichtigt wurde, einen der Angestellten des Dolphin Resort angerempelt zu haben.

Die Sea Shepherd Conservation Society zeigte eindeutige Präsenz im Gerichtssaal. Das Aufsichtsratsmitglied Dr. Bonny Schumaker und der Sea Shepherd-Direktor der Niederlande, Geert Vons hatten die Reise nach Japan angetreten, um Erwin zu unterstützen. Der Leiter der Cove Guardian-Kampagne, Scott West, war ebenso anwesend, so wie 5 Freiwillige; keinem von ihnen war jedoch der Kontakt zu Erwin gestattet.

Bis zur letzten Woche war Erwin im Gefängnis von Shingu, nahe Taiji, festgehalten worden. Jetzt ist er nach Wakayama verlegt worden, wo das Verfahren stattfindet. Erwin wurde in Einzelhaft gehalten und wurde bis zu seiner Überstellung in der letzten Woche nicht darüber aufgeklärt, was ihm zur Last gelegt werde. Ihm wurde jeder Kontakt zur Außenwelt verweigert, einschließlich seiner Angehörigen und seiner Gefährten, den Sea Shepherd-Freiwilligen. Während seiner Haft wurde ihm jede Lektüre verweigert und er wurde pausenlos Verhören unterzogen.

Noch skandalöser aber ist die Tatsache, dass Erwin während der Zeit in Shingu einer Diät aus überwiegend, wenn nicht sogar ausschließlich, weißem Reis ausgesetzt war und seine Nachfrage nach Nahrungsergänzungsmitteln abgelehnt wurde.

Der Trainer vom Dolphin Resort, der Erwin beschuldigt hatte, ihn angerempelt zu haben, machte seine Aussage vor Gericht. Der Trainer behauptet, Erwin habe ihn im Brustkorbbereich angerempelt. Die Darstellung des Anklägers schien jedoch von der schriftlichen Aussage abzuweichen, die er einige Tage nach dem angeblichen Zwischenfall bei der Polizei abgegeben hatte. Die Strafverfolgung ging sogar so weit, die Sicherung einer DNS-Probe zu versuchen, um zu beweisen, dass Erwin den Mann berührt habe. Die Polizei sammelte daraufhin „Fremdmaterial“ aus der Umgebung der Brust des Trainers, aber der DNS-Test war negativ. Dieser Test wurde dem Gericht vorgelegt und bewies, sogar wissenschaftlich, dass es keinen Kontakt zwischen den beiden Männern gegeben hat.

Nachdem der Ankläger seine Aussage gemacht hatte, nahm Erwin Stellung. Er sah dabei deutlich abgemagert und erschöpft aus und hatte während der Haft nicht einmal einen Haarschnitt oder eine Rasur erhalten.

Die Staatsanwaltschaft begann mit dem Versuch, Erwin dahin zu manipulieren, dass er schädliche Aussagen über Sea Shepherd machte; diese Versuche schlugen fehl. Er beharrt darauf, dass er keinerlei Kontakt mit dem Trainer hatte und dass er die Hände voll hatte, weil er ein Dreibeinstativ, eine Kamera und ein Funkgerät trug – das ließ ihm keine freie Hand, um den Mann zu schubsen. In seiner Nacherzählung der Ereignisse sagte Erwin, dass er eine sogenannte Straßensperre umging und dass der Trainer währenddessen an seinem Handy hing und ihn nicht einmal zur Kenntnis genommen habe, bis er die Absperrung 20 Meter hinter sich gelassen hatte. Kurz darauf erschien die Polizei von Taiji. Erwin sagte aus, dass sie zu diesem Zeitpunkt die angebliche Körperverletzung in keinster Weise auch nur erwähnten, sondern ausschließlich, dass er ein Durchgang-verboten-Schild umgangen hatte. Erst einige Zeit nachdem die Polizei von Wakayama und der Ankläger sich länger unterhalten hatten und Erwin und die anderen Cove Guardians gerade gehen wollten, hat die Polizei Erwin mitgeteilt, dass der Trainer behaupte, von ihm geschubst worden zu sein.

Die Staatsanwaltschaft fuhr fort, unbedeutende Anschuldigungen vorzubringen wegen unbefugten Betretens und wie verärgernd es sei, wenn man Leute fotografiere, die nicht fotografiert werden wollen. Erwins Erwiderung darauf war „Ja, so bin ich verärgert durch die Delfinschlächterei. Ärgern ist kein Verbrechen, aber ich bin nicht hier wegen Fotos oder unbefugten Zutritts. Ich bin hier wegen Rempelns.“ Er wies desweiteren das Gericht darauf hin, dass die Cove Guardians eine stillschweigende Vereinbarung mit der Polizei haben „wenn wir ein Schild sehen, gehen wir einmal rein und die englischsprachige Polizei sagt uns dann, ob das illegal ist oder nicht. Die Einheimischen ignorieren die Schilder grundsätzlich, nur sie werden nie bestraft.“

Im Verlauf des Prozesses erwähnte Erwin auch die Haftbedingungen in seiner Gefängniszelle. Er war aufgefordert worden, seine Jacke anzuziehen, die er bei dem vorgeblichen Verbrechen getragen hatte, um für das Gericht den Tathergang zu rekonstruieren. Erwin bemerkte „Ich wünschte, ich hätte die in meiner Zelle, weil es dadrin eiskalt ist.“ Als das Gericht erwog, eine Essenspause einzulegen, sagte Erwin „Ich brauche nicht zu essen. Es ist so schön warm hier drin. Das ist das erste Mal seit zwei Wochen, dass mir warm ist.“

Man sollte nicht vergessen, dass Erwin aufgrund einer Anklage wegen leichter Körperverletzung in Haft gehalten wird, wegen der Anschuldigung, eine andere Person lediglich geschubst zu haben, und dafür höchstgradig unmenschlichen Bedingungen ausgesetzt ist. Die Verurteilungsrate vor japanischen Gerichten liegt bei 99% und die meisten Häftlinge gestehen sehr schnell. Es wird schnell deutlich, woran das liegt, nachdem man von den unterdurchschnittlichen Haftbedingungen erfahren hat, denen Erwin innerhalb des japanischen Strafvollzugssystems ausgesetzt ist. Während des gesamten Verlaufs seiner Haft und der rohen Behandlung hat Erwin auf seiner Unschuld bestanden und Sea Shepherd wird alles in unserer Macht stehende tun, ihn freizubekommen und der Gerechtigkeit Genüge zu tun.

Die Verhandlung wird am 1. Februar fortgesetzt. Dann wird die Verteidigung den Fall aus ihrer Sicht darlegen und ein Zeuge von Sea Shepherd wird zugelassen, um eine Zeugenaussage abzugeben. Die Schlussplädoyers sind für den 16. Februar festgesetzt, mit der Urteilsverkündung am 22. Februar. Das bedeutet, dass Erwin wegen einer grotesken Anklage einen weiteren Monat im Gefängnis verbringen wird. Wenn er verurteilt wird, muss Erwin mit einer Gefängnisstrafe von bis zu zwei Jahren und gleichzeitig einer beträchtlichen Geldstrafe rechnen.

Im Anschluß an das Gerichtsverfahren hatte der Sea Shepherd-Direktor der Niederlande, Geert Vons, die folgende Erklärung:

“Erwin Vermeulen ist nun zu einer Trumpfkarte in der Auseinandersetzung zwischen Japan und den Niederlanden um den Walfang geworden. Die Schiffe von Sea Shepherd sind in den Niederlanden registriert und jedes Jahr, wenn die Waljagd beginnt, beschwert sich Japan bei den Niederlanden, dass Umweltschutzaktivisten ihre Waljäger behindern.

Die Anklagepunkte gegen Erwin sind erst am Samstag eindeutig benannt worden. Er wird behandelt wie ein berüchtigter Verbrecher. Ihm wird keinerlei Kontakt zur Außenwelt gestattet, nicht einmal Briefe. Es ist eine sehr, sehr traurige Geschichte. Ich hatte für einen niederländischen Staatsbürger mehr Unterstützung von der niederländischen Regierung erwartet.“

Der niederländischen Tierrechtspartei zufolge „tut“ der Außenminister Uri Rosenthal „nicht genug“ und sie fordern zu dieser Fragestellung eine Debatte im Unterhaus. Esther Ouwehand, einer der beiden Parlamentsabgeordneten der Partei, zufolge hat Japan den Ruf, Aktivisten, die es als „hinderlich“ für die Waljagd betrachtet, aus politischen Gründen festzunehmen. Ouwehand erwartet von Rosenthal, den japanischen Botschafter einzubestellen.

 

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